
"Das neue System vom Reiten und Ausbilden. Grundsätze und Methoden"
Es ist soweit: Zum ersten Mal werden Deutsch lesende Reiter mit dieser Übersetzung der 13. Ausgabe der «Méthode d'équitation, basée sur de nouveaux principes» (Paris 1867) Zugang zum "ausgereiften" Baucher, zur "Zweiten Methode" in der endgültigen und von ihm selbst verfassten Formulierung haben.
Die Aufnahme des Ansatzes von Baucher in
der reiterlichen Gemeinschaft ist bekanntlich notorisch problematisch
gewesen (und ist es nach wie vor) und dies besonders unter jenen,
die sich dem "deutschen" Reiten verschrieben haben. Beinahe die
Gesamtheit der Besprechungen des Baucherismus (ausserhalb von
Frankreich im Laufe der letzten 100 Jahre von erstaunlicher Seltenheit)
fußt auf Texten aus der Feder des französischen Neuerers, welche der
Periode seiner "Ersten Methode" zuzurechnen sind (im Deutschen z. B.
von Willisen 1843, Ritgen 1844, Heinze 1846 und 1861, von Kopal 1884,
und selbst Lauffer 1901). Wenig weist darauf hin, dass die Autoren,
die zu Baucher Stellung nahmen
(und nehmen), dessen Spätwerk zu konsultieren imstande waren/sind und
tatsächlich studier(t)en. Anders gesagt: Besprechungen des
Baucherismus, die zu dem hier vorgelegten letzten Text des
französischen Meisters keinen Zugang haben, müssen cum grano salis gelesen werden, denn Baucher,
der lebenslang suchte, hinterfragte und mit selbstkritischer
Offenheit stets bereit war, sein "System" zu revidieren, kann nur dann
gültig bewertet und kommentiert werden, wenn die Entdeckungen und
Erfindungen seiner letzten Jahre nicht außeracht gelassen werden. Mit
der Veröffentlichung dieser Übersetzung ist somit die Periode zu Ende
gekommen, in der "Aufarbeitung" auf unvollständigem Grundmaterial, auf
Sekundärliteratur bzw. auf Wiederkäuen einstiger Interpretationen
fußte. Die Analyse der Méthode
kann nun endlich wirklich beginnen und man wird sich zu einem
Verständnis des Beitrags vorarbeiten können, das auf den Fakten beruht
und nicht mehr alte Vorurteile "in neuer Form" repliziert, wie das bei
allen deutschsprachigen Autoren des 20. und des soeben begonnen Jahrhunderts bisher der Fall gewesen ist. Von
besonderem Interesse wird diese Aufarbeitung dann sein, wenn sie Baucher nun endlich im Licht moderner wissenschaftlicher Kenntnisse analysiert.
Auch
für anderssprachige Reiter, die Deutsch recht kompetent zu lesen
imstande sind, ist dieser Text von Interesse, denn der "reife" Baucher
ist allgemein bisher schwer zugänglich gewesen: Auf Englisch z. B. gibt
es nur die Übersetzungen von Hart und Swire (1852/1879 bzw. 1854/1919, basierend
auf der 9. bzw. 10. Ausgabe) und die von Nelson (1991, welche
zwar auf der 12. Auflage basiert, in der aber die Eigentlichkeit der
"Zweiten Methode", wie eine so eminente Autorität wie Jean-Claude Racinet
gezeigt hat, höchst unzulänglich verstanden und dargestellt wird);
Leser des Russischen kennen ihn aus einer 1850 und italienische Reiter
aus einer 1863 Übersetzung. Nur im Spanischen existiert eine
Übersetzung der 13. Auflage (Garcés de Marcilla 1872), doch beinhaltet sie
kulturspezifische interpretative Eigenheiten, welche zu somanchen
Missverständnissen zu führen riskieren. Selbst Französisch lesende
Reiter haben nur in den seltensten Fällen den ausgereiften Baucher kennengelernt, denn alle Neuausgaben seiner Texte seit dem 19. Jahrhundert sind Wiederdrucke der 12. Méthode (die sich von der 13. unterscheidet) bzw. der 14. (welche aber von seinem Sohn Henri und Faverot de Kerbrech "überarbeitet" wurde).
Baucher war ein "schwieriger" Mensch und, wenn auch, wie einstimmig überliefert, ein außerordentlicher Lehrer, ein Schriftsteller, der den Leser vor somanche Probleme stellt: Kaum ein anderes Werk der klassischen Meisterliteratur des Reiterlichen ist so schwer zu durchschauen, so verwirrend, so eigenartig. Um dem Leser in der Arbeit des "Entzifferns" zur Seite zu stehen, beinhaltet die deutsche Fassung ein Kapitel mit Erklärungen des Übersetzers.
Baucher war ein "schwieriger" Mensch und, wenn auch, wie einstimmig überliefert, ein außerordentlicher Lehrer, ein Schriftsteller, der den Leser vor somanche Probleme stellt: Kaum ein anderes Werk der klassischen Meisterliteratur des Reiterlichen ist so schwer zu durchschauen, so verwirrend, so eigenartig. Um dem Leser in der Arbeit des "Entzifferns" zur Seite zu stehen, beinhaltet die deutsche Fassung ein Kapitel mit Erklärungen des Übersetzers.
RACINET (deutsch) RACINET (englisch)





