
REITEN: SINNLICHKEIT UND
SINN
Artikel in der tschechischen Reitrevue Jezdectví ("Reiten"), Publikation März 2009, Übersetzung durch Dr. N. Záliš (ehem. Direktor des Staatsgestütes Kladruby)
Wird Reiten und Ausbilden nach Kriterien oberflächlicher Form gelehrt,
gelernt und praktiziert , d.h. wird von Erscheinungsweise auf Qualität
geschlossen, wird die Praxis einer festgelegten zum "System" erhobenen dogmatischen Logik
unterworfen und zur Routine, wird komplexe Beredtheit als Zeichen theoretischer
Durchdringung aufgefasst, wird geritten, als handelte es sich um
Konsumverhalten, so wird das Individuum sich zwar im Milieu "zu
Hause" fühlen, aber dem Reiten und dem Pferd gegenüber
allzu oft Inhaltslosigkeit, entfremdende Sinnesleere erfahren. Erlebt und
lebendig ist Reiten nur, kann nur dann es sein, wenn es mehr ist als
ein ausgeübtes Geschehen, d.h. wenn es gefühlt und mit Sinnlichkeit - und nur deshalb gefühlsvoll -
praktiziert wird. Formorientiertes Reiten spricht viel über "Fühlen",
macht die Erreichung von Fühlsamkeit aber praktisch meist unmöglich.
Mit der dadurch entstehenden Abkoppelung der konkreten Praxis von den diese
angeblich untermauernden Prinzipien, wird ein solches Reiten zur
Illusion, zum Selbstbetrug, und endet zu häufig in Desillusion. Empfindung, Feingefühl und
Sinnlichkeitskompetenz erwachen und wachsen mit suchendem Tun.
Sinnlich dialogisierendes Suchen führt zur Entdeckung eines Reitens,
das sich als Intimät schaffende Aktivität
erweist. Verwirklicht kann solches Reiten und Ausbilden nur über
selbstkritisches Reflektieren werden, nicht über wortreiche
Selbstzufriedenheit mit dem "Bezug" zum Pferd. Nur auf diese Weise kann
es pferdegerecht und menschenwürdig sein. Das ist ein in unseren
kulturellen Zeitumständen schwieriges Unterfangen. Wie ein
solches Reiten und Ausbilden daher gelehrt, gelernt und
praktiziert werden könnte oder sollte, wird in Folgeartikeln behandelt
werden.


