«La
Guérinière "classique" chez Manoel Carlos de Andrade et Ludwig von
Hünersdorf. Aperçus sur l'histoire de la communauté et des divergences
des équitations d'école des Grandes Ecoles»
(Der
"Klassiker" La Guérinière bei Manoel Carlos de Andrade und Ludwig von
Hünersdorf. Einige Details zur Geschichte der Gemeinsamkeiten und der
Unterschiede der Schulreiterei der vier Großen Schulen)
Text des Vortrages
anlässlich des Treffens der vier großen Reitakademien (Wien, Saumur,
Lissabon, Jerez de la Frontera), Paris 24. November 2007, beim 11.
Kolloquium der E.N.E. (Ecole nationale d'équitation)
Im
reiterlichen Milieu wird der Ausdruck "Klassik" oft zu einer
axiomatischen Kategorie erhoben und "klassisch" als Referenz auf
eine unanfechtbare, weil angeblich "rein vermittelte" Autorität aufgefasst. Die "Klassiken" der Großen
Akademien sind aber kulturell und historisch bedingte Formen und so
sehr die bei ihnen gepflegte Referenz auf La Guérinière und ihre
jeweilige, im Überzeugungston behauptete Angehörigkeit an sein Erbe die
Schulen auch zu vereinen scheinen mag, ihre Weisen "klassisch" zu sein
unterscheiden sich voneinander.
Diese Tatsache ist schon in den
allerersten Generationen nach der Lebenszeit des französischen Meisters
bei den verschiedenen Autoren und Meistern der besagten Schulen
nachweisbar. M. C. de Andrade und L. v. Hünersdorf sind beide Beispiele
dieser anscheinenden Gemeinsamkeit, werden sie doch oft gleichermaßen als "Weiterreicher der reinen
Lehre" dargestellt oder verstanden. Diese beiden Autoren zählen, der eine am Tejo,
der andere an der Donau, seit ihrer
Epoche als die wichtigsten Autoritäten, legen aber schon selbst
die Grundlagen für die Weiterentwicklung von verschiedenen
Formen des klassischen Reitens. Diese Unterschiede werden schon zu
ihrer, übrigens gemeinsamen, Lebenszeit erkennbar und können präzisiert
werden. Will man nicht der Illusion einer monolithisch einheitlichen "Klassik"
anheim fallen, so müssen diese Differenzen und ihre historische Genese
herausgearbeitet werden.
Meine Analyse der Schriften der beiden
Autoren zeigt an Hand einiger Beispiele, worin die grundlegenden
Unterschiede der Klassik Wiens und Lissabons schon seit dem Ende des
18. Jahrhunderts liegen.
Tradition
darf also nicht als "reine" Übertragung aufgefasst werden, denn alles weist darauf hin, dass sie eher
Übertragung im Sinn von "Übersetzung", also Interpretation
war und ist. Das Vorhaben der Schulreiterei der beiden Institutionen
ist sicherlich ähnlich, aber die schon ursprünglich divergenten
Interpretationen und Integrationsweisen von La Guérinière sind
Weichenstellungen gewesen, die die weitere Entwicklung der beiden
Reitweisen grundlegend bestimmt und zu tiefgehenden, wenn auch
subtilen Unterschieden geführt haben. Es gibt, mit einem Wort, mehrere "reine Klassiken" im Reiten.
Dieser Text
wurde im Original in Französisch verfasst, vorgetragen und diskutiert. Er wird
voraussichtlich in 2009 publiziert werden (Actes du XIe colloque de la
E.N.E, Actes-Sud)
Englische, deutsche
und portugiesische Fassungen des Vortrages sowie Sekundärtexte zu der Thematik (auch diese in
jeder der vier Sprachen) sind auf Anfrage erhältlich.
Die Fragenkomplexe der "Schulen" der Reitens, der Schulunterschiede und -eigenheiten, der "Klassik" und ihres Status in der heutigen Zeit etc. sind reiche Thematiken für auf spezielle praktische Details konzentrierte Lehrgänge und für theorieorientierte Seminare, die ich auf Anfrage anbiete.
Die Fragenkomplexe der "Schulen" der Reitens, der Schulunterschiede und -eigenheiten, der "Klassik" und ihres Status in der heutigen Zeit etc. sind reiche Thematiken für auf spezielle praktische Details konzentrierte Lehrgänge und für theorieorientierte Seminare, die ich auf Anfrage anbiete.


